48 Stunden ohne Neuköllner
Neben einigen interessanten Kunstprojekten haben die “48 Stunden Neukölln” 2008 vor allem eins gezeigt: Die viel beachtete kulturelle Entwicklung im Reuterkiez findet weitgehend ohne dessen Einwohner statt.
Die meisten Neuköllner wissen das sicherlich. Schließlich fahren inzwischen Menschen im Taxi zum Biertrinken nach Neukölln, die ihre Kinder lieber im Kindergarten Englisch lernen lassen, statt sie hier auf die Schule zu schicken.
Ähnlich sah es am Wochenende in vielen Galerien aus. Eine sichtbare Ausnahme war die Siebdruckwerkstatt in der Pflügerstraße, die gemeinsam mit Schülern der gleichnamigen Schule das Modelabel “Rütli” betreibt. Dort kamen Kiez und Kunst ausnahmsweise zusammen.
Schön, dass junge Künstler die niedrigen Mieten nutzen, um sich entfalten zu können. Auch dass es inzwischen nicht mehr nötig ist, zum Biertrinken nach Kreuzberg oder noch weiter zu fahren, ist bequem. Nur schade, dass die meisten Neuköllner sich weder ein Bier für 2,80 Euro noch ein T-Shirt für 35 Euro leisten können.
Immerhin: Solange die Styler noch mit dem Taxi in den Kiez fahren, sind wenigstens die Mieten nicht in Gefahr.

