Großmacht Russland back on stage
Treffend nüchtern, aber im Endeffekt beängstigend analysiert der Thinktank stratfor.com den Krieg im Kaukasus aus US-amerikanischer Sicht. Nach Stratfor-Chef George Friedman ist er vor allem als eine Demonstration der russischen Regierung zu verstehen, mit der sie ihren wiedererlangten Großmachtstatus zeigt. Interessant an Friedmans Analyse sind vor allem zwei Entwicklungen, die er als Voraussetzungen ansieht.
Friedman erklärt zum Einen, dass sich die Machtbalance in Eurasien im Laufe der letzten Jahre verschoben habe, weil die Armeen der USA und der NATO im Irak und in Afghanistan gebunden seien. Die russische Regierung sei sich sicher gewesen, dass die NATO einem Einmarsch in Südossetien nichts entgegenzusetzen gehabt habe.
Zum Anderen habe die russische Regierung über die vergangenen Jahre ihre Armee zu einer invasionsfähigen Kraft aufgerüstet. Sie habe sich von der Niederlage der Sowjetarmee in Afghanistan 1988 und dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 erholt. Noch in den beiden Kriegen in Tschetschenien – aus russischer Sicht auf eigenem Staatsgebiet – sei die Armee unterbezahlt, unterernährt und schlecht ausgerüstet gewesen.
Friedman zufolge ist eine militärische Machtdemonstration lange vorbereitet gewesen. Die russische Regierung nutzte nur den georgischen Angriff auf Südossetien und die relative Schwäche der USA und der NATO, um zu zeigen, dass sie in der Lage ist, Einfluss auf dem umkämpften Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zurückzugewinnen. Keine schönen Aussichten.
Den ganzen Artikel gibt es bei stratfor.com (englisch, mit aufschlussreichen Infografiken):
The Russo-Georgian War and the Balance of Power

