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	<title>Jan Maas &#187; Reise und Reportage</title>
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	<description>Jan Maas, Journalist</description>
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		<title>Herbst in Masuren</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Oct 2010 08:47:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-636" title="2010_10_06_Gizycko_083_wp" src="http://janmaas.de/wp-content/uploads/2010/10/2010_10_06_Gizycko_083_wp.jpg" alt="" width="510" height="340" /></p>
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		<title>German-Classics-Album online</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Oct 2010 12:17:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="German Classics 2010" href="http://www.flickr.com/photos/jan_maas/sets/72157625030496167/show/"><img class="alignnone size-full wp-image-631" style="border: 0pt none;" title="2010_German_Classics_wp_29" src="http://janmaas.de/wp-content/uploads/2010/10/2010_German_Classics_wp_29.jpg" alt="" width="510" height="340" /></a></p>
<p>Es hat etwas gedauert, aber jetzt sind einige Fotos von den German Classics 2010 vor Laboe bei Flickr online: <a title="German Classics 2010" href="http://www.flickr.com/photos/jan_maas/sets/72157625030496167/show/">German Classics 2010</a>.</p>
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		<title>Gute Zeiten, schlechte Zeiten</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jul 2008 19:09:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reise und Reportage]]></category>
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		<description><![CDATA[Jeder sieht sie gerne – die Großsegler aus aller Welt, Reminiszenz an längst vergangene Zeiten. Aber wer kennt die Kehrseite der Medaille? Wer weiß, dass die Crews alle Jahre wieder ums Überleben der Schiffe kämpfen? Wie z.B. auf dem russischen Vollschiff „Mir“, das die letzten Monate in Hamburg verbrachte. In der dunklen Achterkajüte wabert der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Jeder sieht sie gerne – die Großsegler aus aller  Welt, Reminiszenz an längst vergangene Zeiten. Aber wer kennt die  Kehrseite der Medaille? Wer weiß, dass die Crews alle Jahre wieder ums  Überleben der Schiffe kämpfen? Wie z.B. auf dem russischen Vollschiff  „Mir“, das die letzten Monate in Hamburg verbrachte.</strong></p>
<p>In der dunklen Achterkajüte wabert der Duft von  Holz und starkem russischem Tee. Heimelig, fast romantisch die Stimmung.  Jedenfalls solange man nicht durch die kleinen Bullaugen nach draußen  schaut. Legendäres Hamburger Schmuddelwetter. Nur ein paar  unerschütterliche Spaziergänger mischen sich unter die Hafenarbeiter in  ihren orangeroten Overalls. Fast scheint es, als beleuchteten sie die  Überseebrücke. Jenseits der Elbe ragen wie gichtige Finger die Kräne von  Blohm und Voss in den Himmel.<span id="more-467"></span></p>
<p>Dümpeln im winterlichen Hafenbecken. Stille herrscht, kaum ein  Glucksen dringt nach innen. Wie ausgestorben, fast ohne Leben wirkt der  angekettete Riese. Von wegen strahlende Schönheit, von wegen Höhepunkt  einer jeden Segelparade. Hier ist es – das 108 Meter lange russische  Schulschiff „Mir“ – nichts weiter als ein notwendiges Übel. Geduldet von  der Stadt, versorgt auf Spendenbasis, abhängig von Almosen eines  fremden Landes. Schlechte Zeiten.</p>
<p>Kapitän Viktor Nikolajewitsch Antonow deutet auf die üppige  Dekoration: Zahlreiche Silberteller und Messingschildchen an den Wänden  zeugen von vergangenen Zeiten, von triumphalen Erfolgen, die der  langjährige Regattasegler mit dem Vollschiff erzielt hat. Da hängen  Tafeln mit den Segelpyramiden des schnellsten Teeklippers aller Zeiten,  der „Cutty Sark“. Die Bilder schmücken einen würdigen Nachfahren.  Dreimal in Folge gewann die „Mir“ unter dem Kommando von Kapitän Antonow  von 1996 bis 1998 das Cutty Sark Tall Ships’ Race.</p>
<p>Antonows Augen durchzuckt ein Strahlen. Regatta, ja, das ist sein  Leben. Und wenn man es genau nimmt, ist die „Mir“ sein Leben, weil sie  so schön ist, so schnell und so erfolgreich: „Über die Resultate denke  ich nie vorher nach. Ich konzentriere mich lieber“, meint der  bescheidene Russe. Viktor Nikolajewitsch ist seit der Kiellegung auf der  Danziger Leninwerft auf der „Mir“ und kennt das Schiff wie seine  Westentasche. Gute Zeiten.</p>
<p>Schöner Schein, aber keine Scheine. Die chronische Ebbe in russischen  Kassen machte auch vor einem Schulschiff der stolzen Marine nicht halt.  Gestrandet, weil weder die Mannschaft ordentlich verpflegt noch die  notwendigen Reparaturen finanziert werden können. Ab Ende Januar bis in  den Frühling war Zwangspause. In diesem Jahr in Hamburg, einer jener  Städte, die sich bereit erklärt haben, Not leidende Mannschaften im  wahrsten Sinne des Wortes über die kalte Jahreszeit zu bringen.</p>
<p>Seit Anfang der neunziger Jahre besteht ein Netzwerk europäischer  Häfen zur Unterstützung der russischen Großsegler. Gezahlt wird dafür in  Naturalien. Zum Beispiel mit einer verbindlichen Zusage, am nächsten  Hafengeburtstag oder einer anderen Segelparade teilzunehmen. Dann ist  der Glanz groß. Die Wimpel flattern im Wind, die Mannschaft paradiert an  Bord – doch um welchen Preis?</p>
<p>Antonow hat keine Wahl. Solche Deals gehören zur Tagesordnung. Er und  seine vielen anderen Kollegen in ähnlicher Situation sind nicht nur  hoch dekorierte Nautiker, sondern letztlich auch Krisen-Manager. Und so  sollte auch der Hamburg-Aufenthalt nicht tatenlos verstreichen. Mit  zahlenden Gästen sollten Wochenendtörns auf der Elbe unternommen werden,  um so Geld in die leeren Kassen zu spülen. Die Segel waren schon zur  Überholung abgeschlagen, per Motor sollte das Vollschiff seine Runden  auf der Elbe drehen.</p>
<p>Doch keine russische Geschichte ohne dramatische Wende. Die sonst so  zuverlässige Maschinenanlage – zwei Schiffsdiesel, ein Propeller – ging  in unerwarteten Streik. Die Diagnose war so einfach wie katastrophal:  Propellerschaden. Noch trauriger wirkten die rostigen Tränen an den  Bullaugen, als Schlepper den sonst so majestätischen Großsegler am  Fischmarkt vorbei in ein abgelegenes Becken des Hamburger Hafens zogen.  Feierabend.</p>
<p><strong>Geldnot im Osten</strong></p>
<p>Pfeifen auf „Perestrojka“, die Umgestaltung der  russischen Gesellschaft. Antonow und Co. verwalten seitdem nur noch  große Löcher im Budget. Seit Gorbatschow führt eine russische Regierung  nach der anderen eine kontinuierliche marktwirtschaftliche Reform nach  der anderen durch. Für die Staatliche Akademie für Seefahrt in St.  Petersburg, die Eignerin der „Mir“, machen sich die negativen Folgen der  Entflechtung der Staatswirtschaft jetzt voll bemerkbar. Kapitän  Antonow: „Alle Welt weiß, dass die russischen Großsegler mit großen  finanziellen Problemen zu kämpfen haben. Früher bekamen wir Geld vom  Staat, aber jetzt ist unsere Situation schwieriger, weil die ökonomische  Lage in unserem Land schlechter ist. Jetzt müssen wir improvisieren.“</p>
<p>Dabei ist die Akademie Teil des staatlichen Bildungssystems,  vergleichbar einer Universität. Unmöglich, wegen Geldmangels einfach  aufzuhören. Die seemännische Ausbildung fußt auf drei Säulen, der  Schulung bei der Kriegsmarine, bei der Fischereiflotte oder bei der  Handelsmarine. Für die letztere bildet die Akademie in St. Petersburg  aus. Und wenn im so genannten Klassenzimmer die Heizung ausfällt, muss  man sich einfach dicker anziehen.</p>
<p>Die drei bis vier Monate auf der „Mir“ sind für die Kadetten der  Abschluss des zweiten Lehrjahres. Das nächste Praxissemester absolvieren  sie an Bord von regulären Frachtschiffen. Die Absolventen, die diese  Ausbildung hinter sich bringen, sind weltweit gesucht. Das ist gut für  den Ruf der Akademie, aber auf Viktor Nikolajewitschs Stirn bilden sich  Sorgenfalten, wenn er darüber redet: „Vielleicht finden fünf oder zehn  Prozent nicht direkt im Anschluss einen Job. Aber eigentlich bekommen  alle Arbeit. Sehr viele Absolventen fahren jetzt unter fremder Flagge.  Das ist auch ein Problem für die Akademie, denn sie bildet zwar  Spezialisten aus, aber die bleiben nicht im Land.“</p>
<p>Der Alltag auf der „Mir“ ist nicht geeignet, die jungen Seeleute für  den Dienst in der russischen Handelsmarine zu begeistern. Für harte  Arbeit bekommen sie nur ein Taschengeld. Wer die russischen Kadetten je  bei einem Besuch gesehen hat, mag kaum glauben, dass es sich beim  Training auf der „Mir“ um die Ausbildung von Spezialisten handelt. Mit  rissigem Ölzeug und zu großen Schuhen laufen die Kadetten über das  marode Deck und entern in die Toppen auf, die alte blaue Arbeitshose nur  von einer Kordel zusammengehalten.</p>
<p><strong>Flügellahm</strong></p>
<p>Auch die Hafenwache scheint von besseren Zeiten zu  träumen. Der junge Mann lehnt unter dem Schutz des Oberdecks an der  Kajütwand, die Augen sehen in die Ferne. Eine Tür ins Schiffsinnere  öffnet sich quietschend, der Maschinist kommt zu Besuch. Ölverschmierte  Hände drehen eine Zigarette. Blicke wandern über das rissige Deck. Die  schwarzen Nähte kommen hoch und werden undicht. Dunkle Flecken im Holz  zeigen an, wo sich Wasser unter den Planken sammelt und den Rott  beschleunigt. Ein Stück Treibholz schwimmt vorbei und poltert gegen die  Außenhaut, als wollte es darauf aufmerksam machen, dass Schiffe aufs  Meer gehören. Doch ohne gesicherten Unterhalt wird die „Mir“ ihre Reisen  nicht mehr lange fortsetzen können. Unkonventionelle Ideen sind  gefragt, um die Ausrüstung instand zu halten und das Niveau der  Ausbildung zu sichern.</p>
<p>In Deutschland wird der Ruf nach Studiengebühren laut. Ist das für  die Akademie denkbar? Der Kapitän, der seit 17 Jahren Kadetten  ausbildet, ist dagegen. Das entspreche nicht den sozialen Verhältnissen,  die zwischen Murmansk und Wladiwostok heute herrschten, gibt er zu  bedenken: „Für Russland ist es wichtig, dass – trotz der schwierigen  Lage – der Zugang zu höherer Bildung frei ist.“ Der sympathische Russe  ist stolz auf die Akademie. Die Kadetten zahlen dort nichts. Für  diejenigen, die nicht in St. Petersburg wohnen, gibt es sogar ein  Wohnheim mit Vollverpflegung.</p>
<p>Viktor Nikolajewitschs Mobiltelefon klingelt. Auch Russen leben im  digitalen Zeitalter. Der Kapitän bespricht die Werftangebote für die  Reparatur mit der Akademie. Ist es überhaupt zeitgemäß, die kostspielige  Ausbildung auf Segelschulschiffen weiterzuführen? „Es ist für alle  Seeleute wichtig, auf einen Segelschiff anzufangen“, meint er. „Sie sind  dort ihrer Umwelt viel unmittelbarer ausgesetzt. Das hat Auswirkung auf  die spätere Arbeit. Wer immer an seinem Schreibtisch im Büro gesessen  hat, um dort dann ein Problem zu lösen, entscheidet anders als jemand,  der sich unter harten Bedingungen beweisen musste.“</p>
<p>Am 5. Mai 2000 wird das Vollschiff im spanischen Cadiz sein, um von  dort zur Großseglerregatta über den Atlantik zu starten. Wieder werden  zahlreiche Matrosen an Bord sein, die fürs Leben lernen. Wenn alles gut  läuft, kann die „Mir“ ihren Ruf als schnellster Großsegler der Welt  verteidigen und das Cutty Sark Tall Ships’ Race wieder gewinnen. Ein  paar Augenblicke des Ruhmes, bevor sich im nächsten Winter wieder die  Frage stellt, wie die 108 Meter Stahl über die Runden gebracht werden  sollen. Gute Zeiten, schlechte Zeiten.</p>
<p><strong>Die „Mir“</strong></p>
<ul>
<li>Gilt als schnellster Großsegler der Welt</li>
<li>Ist St. Petersburg, Russland, beheimatet</li>
<li>Gehört der Staatlichen Akademie für Seefahrt</li>
<li>Lief 1988 auf der Lenin-Werft in Danzig, Polen, vom Stapel</li>
<li>Ist ein Neubau der Choren-B-95-Klasse aus Stahl</li>
<li>Hat vier Schwesterschiffe. Sie heißen „Dar Mlodziezy“, „Druzhba“,  „Khersones“ und „Nadezhda“</li>
<li>Bietet an Bord Platz für 199 Menschen, davon sind bis zu 144  Kadetten</li>
<li>Besitzt keine Hängematten! Die Mannschaft ist in 18  Zwölf-Bett-Kabinen untergebracht</li>
<li>Ist mit zwei Sulzer Schiffsdieseln motorisiert, die je 750 PS haben</li>
<li>Und ihre Hauptabmessungen: LüA 108 m, B 13,90 m, Masthöhe über  Wasser 50,10 m, Tg 6,30 m, Segelfläche 2.771 m² Verdrängung 2.385 t</li>
</ul>
<p><strong>Interview mit dem Kapitän der „Mir“, Victor  Nikolajewitsch Antonow</strong></p>
<p>segeln: Die „Mir“ liegt mit Maschinenschaden fest.  Können Sie sich leisten, ihn hier zu beheben oder wäre es nicht besser,  in den Heimathafen St. Petersburg zurückzukehren?</p>
<p>Victor Nikolajewitsch Antonow: Wir müssen das  zuerst zusammen mit dem Schiffseigner klären, aber natürlich sind die  Bedingungen hier in Hamburg besser, denn wenn wir in einen anderen Hafen  müssen, müssten wir geschleppt werden.<br />
Wir wissen noch nicht, wann eine Werft hier oder in einem anderen Hafen  Zeit für uns hat. Darüber verhandelt der Eigner gerade mit verschiedenen  Werften. Blohm und Voss zum Beispiel hat zwar einen guten Ruf, aber  unser Schiff ist für deren Docks zu klein.</p>
<p>segeln: Die „Tovarishch“, die ehemalige „Gorch  Fock“, liegt ebenfalls in Deutschland – in Wilhelmshaven. Auch sie ist  auf den kostenlosen Liegeplatz angewiesen und wartet auf eine  Überholung. Denken Sie, dass es sinnvoll wäre, die Anzahl der  Schulschiffe zu verringern?</p>
<p>Antonow: Meine persönliche Meinung ist, dass es  notwendig ist, alle Schiffe zu behalten. Die „Sedov“ und die  „Kruzenstern“ sind auch zwei sehr alte Schiffe – historische Schiffe –,  es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass solche Schiffe weiterhin  arbeits- und segelfähig bleiben.</p>
<p>segeln: Gäbe es nicht andere Wege, die Schiffe  instand zu halten? Sie gehören zwar dem Staat, aber der kann oder will  nicht genug Geld zur Verfügung stellen. Wo könnte denn noch welches  herkommen?</p>
<p>Antonow: Wir versuchen schon, durch unsere  zahlenden Mitsegler etwas Geld zu bekommen, aber wir sind noch nicht  sonderlich erfahren in solchen Sachen. Wir versuchen, unser Bestes zu  geben, um die Schiffe unterhalten zu können.</p>
<p>segeln: Glauben Sie denn, dass die klassische  seemännische Ausbildung noch nötig ist?</p>
<p>Antonow: Absolut! Russische und ukrainische  Seelaute werden in westlichen Reedereien gerne angestellt, weil die  Ausbildung so gut ist. An unseren Akademien herrscht ein sehr hoher  Standard. Und es ist sehr wichtig, dass wir diesen Standard halten und  nicht herabsetzen.<br />
Leider haben nicht einmal jetzt alle Kadetten der Akademie eine Chance,  an Bord zu kommen. Das gesamte Ausbildungssystem muss noch verbessert  werden.</p>
<p>segeln: Wie lange sind denn die russischen Kadetten  auf der Akademie?</p>
<p>Antonow: Ingenieure fünf, Nautiker fünfeinhalb  Jahre, davon im ganzen drei oder vier Monate auf einem Segelschulschiff.  Und das auch nur zur ersten Praxisausbildung, am Ende des zweiten  Jahres auf der Akademie. Die nächste Praxisausbildung findet dann auf  Frachtschiffen statt.</p>
<p>segeln: Ist die „Mir“ eigentlich Kap Hoornier?</p>
<p>Antonow: Nein, leider noch nicht. Aber ich mag die  Vorstellung, wir haben darüber schon vor einigen Jahren nachgedacht. Die  Reise wäre sehr teuer. Mit der „Mir“ ist es sowieso nicht sinnvoll, auf  Nord- oder Ostsee zu segeln – hier ist es zu eng. Wir sollten eine  Weltumsegelung oder Hochseestrecken anstreben. Das ist auch für die  Ausbildung der Kadetten besser, als wenn wir dauernd unter Maschine  laufen müssen.</p>
<p style="text-align: right;">Erschienen in segeln 5/2000.</p>
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		<title>Dory, Dory, Hallelujah</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jul 2008 19:04:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reise und Reportage]]></category>
		<category><![CDATA[Bootsbau]]></category>
		<category><![CDATA[Bootswerft]]></category>
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		<description><![CDATA[Was in den USA längst gang und gäbe ist, steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen: Bootsbauseminare für Laien. Eine kleine Werft in Hamburg-Harburg hat sich daran gewagt, einem zusammengewürfelten Haufen von Seglern ihre Kniffe beizubringen. Grüne Mappen liegen auf dem Holztisch in der Frühstücksbude, in der Gorch von Blomberg, Chef von Ecoboot, seine Gäste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Was in den USA längst gang und gäbe ist, steckt  in Deutschland noch in den Kinderschuhen: Bootsbauseminare für Laien.  Eine kleine Werft in Hamburg-Harburg hat sich daran gewagt, einem  zusammengewürfelten Haufen von Seglern ihre Kniffe beizubringen.</strong></p>
<p>Grüne Mappen liegen auf dem Holztisch in der  Frühstücksbude, in der Gorch von Blomberg, Chef von Ecoboot, seine Gäste  begrüßt. Im Hintergrund blubbert eine Kaffeemaschine. Grundlagen der  Holzverarbeitung heißt ein Kapitel, in einem anderen werden Werkzeuge  vorgestellt: Hirnholzhobel, Ziehklinge, Schleifbock. Um den Tisch sitzen  vier Männer, die hoffen, dass ihnen diese Dinge nach zehn Tagen weniger  fremd sein werden.<span id="more-465"></span></p>
<p>Unterschiedlicher könnten sie kaum sein: Nord- und  Süddeutschland, Jung und nicht ganz so Jung, Handwerker und Büroarbeiter  stehen sich gegenüber, verbunden allerdings durch die Leidenschaft für  Boote und Bootsbau.</p>
<p>Horst fühlt sich in der Werft noch am wohlsten, er  steht jeden Tag in Paderborn in der Theaterwerkstatt, wo er Kulissen  baut. Schon jenseits der Fünfzig angekommen, träumt der  leidenschaftliche Angler davon, sich einmal auf eigenem, selbst gelegtem  Kiel auf den Weg Richtung Süden zu machen.</p>
<p><strong>Erfahrungen</strong></p>
<p>Auch Ralph kennt Werkstätten von innen: Sein Vater  betreibt am burgenländischen Neusiedler See einen Bootsservice. Für den  jungen Österreicher ist das Seminar eher Fortbildung als Arbeit. Holz  bietet ihm eine willkommene Abwechslung zu den vielen  Kunststoffarbeiten, die er zu Hause erledigt.</p>
<p>Manfred aus Stuttgart hat schon Erfahrung im  Selbstbau vorzuweisen. Er ist stolzer Besitzer eines selbst  restaurierten nordischen Folkeboots aus Holz. „Eigentlich hab’ ich alles  schon mal gemacht“, behauptet er von sich, „aber bestimmt noch nichts  richtig.“ Dass das nicht ganz stimmen kann, beweisen die Fotos, die er  in der Frühstücksbude herumgehen lässt: Das Folke ist ein Schmuckstück.</p>
<p>Der letzte in der Runde, der sich vorstellt, ist  Peter, der dem Seminar das nötige Lokalkolorit verleiht. Er wohnt  „hinterm Deich“, wie er sagt, ein kleines Stück elbabwärts. Das Segeln  ist ihm in die Wiege gelegt worden. Sein Großvater war Kapitän auf der  Salpeterroute Hamburg-Chile und zurück und hat dort die letzten Tage der  Großsegler miterlebt. Stilecht, auf einem alten Beiboot, lernte Peter  den Umgang mit Pinne und Schot vom alten Salzbuckel.</p>
<p>Über das Boot, das in der Werfthalle leicht  eingestaubt unter der Decke hängt, hätte er sich bestimmt anerkennend  geäußert. Es ist ein weiß lackiertes Dory, ein Boot, wie es früher  Fischer vor den Küsten Neufundlands benutzt haben. Es ist unser Prototyp  und das Gesellenstück von Simone Geng, die das Seminar leitet.</p>
<p><strong>Leidenschaft</strong></p>
<p>Die Idee, leidenschaftlichen Seglern auch die  Leidenschaft am Handwerk zu vermitteln, spukt schon lange in Team von  Ecoboot herum. Es ist aber nicht einfach, einen Bootstypen zu finden,  der sich für ein solches Seminar eignet, erklärt Gorch. Schließlich muss  es ja schnell fertig werden. Einfache Bauweise ist gefragt. Das passt  nahtlos in das ganze Konzept seiner Ecoboot-Werft, einem kleinen Betrieb  mit knapp zehn Gesellen und Lehrlingen.</p>
<p>„Umweltorientierter Bootsbau“ ist auf dem  Transparent außen an der Halle zu lesen. Darunter versteht er nicht nur,  entsprechende Auflagen einzuhalten und seine Mitarbeiter vor den im  Bootsbau häufigen giftigen Werkstoffen zu schützen. „Niemand in  Deutschland kümmert sich um kleine Boote!“ meint Gorch. Und so waren die  ersten Boote, die die Firma in kleiner Serie verließen, extreme  Leichtbauten: Ein Kanu aus Leinwand, mit Spannlack überzogen, und ein  Punt, ein langes Plattbodendingi. Die Idee stieß auf Interesse: Neben  den Reparaturen und klassischen Restaurierungen, die hier erledigt  werden, verließen immer auch kleine Neubauten die Werft – unter oft  spöttischen Kommentaren der Innungskollegen.</p>
<p>Das Dory, das Horst, Ralph, Manfred und Peter  bauen, passt gut in die Familie von kleinen Booten. Es könnte das erste  Eco-Segelboot sein, wenn es später jemand mit Mast und Schwertkasten  versieht.</p>
<p><strong>Anleitung</strong></p>
<p>Doch noch befindet sich in ihrer Mitte nur ein  gähnendes Nichts. Nur die Helling aus Spanplatten, so nennt der  Bootsbauer das Gerüst, auf dem er Boote baut, ist vorhanden. Und darauf  sollen vier Laien in zehn Tagen ein 4,90 Meter langes Holzboot entstehen  lassen? Unter fachkundiger Anleitung von Simone, immerhin, aber ein  richtiges Boot hat noch keiner von ihnen gebaut.</p>
<p>In der Halle riecht es nach Werft, nach frischen  Holzspänen, manchmal kreischt eine Flex, Schleifmaschinen summen.  Mittendrin beginnt Simone damit, die Bleistiftlinien auf den Spanplatten  zu erklären. Wenig später stellen Ralph und Peter die Mallen, die als  provisorische Spanten dem Bootsrumpf die richtige Form geben. Zur  gleichen Zeit arbeiten Manfred und Horst an den zwei Spanten, dem  Innensteven und dem Spiegel, den einzigen Bauteilen, die im Boot  verbleiben, um dem Rumpf die nötige Festigkeit zu geben. Die  Mittagspause führt zu ersten kulturellen Reibungen. ,,Die Currywurst war  ja gut“, berichtet Manfred vom Imbiss um die Ecke, „aber ich kann nicht  verstehen, warum die Hamburger Mayonnaise im Kartoffelsalat haben!“</p>
<p>Am nächsten Tag wird es ernst: Die Kielplanke, der  erste große Teil der Außenhaut, wird ausgestrakt – angepasst, würde der  Normalbürger sagen, aber das ist nicht ganz dasselbe. Und die  Professionalität zu erlernen, ist schließlich ein Ziel des Seminars. Die  Planke passt wie angegossen auf Steven und Spiegel. Mit stolz  geschwellter Brust geht es in den Feierabend – der Leim muss trocknen,  bevor es hier weitergehen kann.</p>
<p><strong>Aufplanken</strong></p>
<p>Vom nächsten Tag an geht es Schlag auf Schlag: Mit  Hilfe von Schablonen legen Simone und ihre Helfer die Form der Planken  fest – jeweils für die Backbord- und die Steuerbordseite. „Ein Boot ist  immer nur theoretisch symmetrisch“, sagt Simone. Schon kleine  Abweichungen können zu offenen Nähten führen.</p>
<p>Planke um Planke wächst das Boot und das  Selbstvertrauen der Neu-Bootsbauer. Nach sieben Tagen Seminar ist es  soweit: Der Rumpf ist fertig. Auf Kommando dreht der Bautrupp es um.  Keine Komplikationen. Noch zwei Tage Zeit. Um das Seminarziel, einen  fertigen Rumpf zu bauen, zu erreichen, fehlen noch die Ducht, der  Dollbaum und die Scheuerleiste. Drängt die Zeit? Geputzt werden muss  auch noch. Aber die erste Woche hat schon viel Sicherheit gebracht.  Peter, der anfangs seinen Hirnholzhobel noch misstrauisch beäugte und  zögerlich in die Hand nahm, peilt jetzt mit Kennerblick die Sohle  entlang, stellt das Eisen ein und lässt die Späne fliegen.</p>
<p>Schließlich ist es, planmäßig, am Sonntag soweit:  Ein sauberes, schwimmfähiges Dory verlässt die Halle. Gorch überwindet  sich sogar zu einer kurzen Probefahrt und lässt das Boot mit vielen  helfenden Händen zu Wasser. Das Boot ist nicht nur fertig – es schwimmt  auch! Während das Dory trocknet, verabschiedet Horst eine stolze Truppe  angelernter Bootsbauer und eine zufriedene Werftcrew mit einer leckeren  Fischsuppe. Bis er von seinem eigenen Boot aus angeln kann, wird es noch  etwas dauern. Aber die ersten Schritte sind getan.</p>
<p><strong>Dories – Lastesel der Atlantikküste</strong></p>
<p>Einfachheit. Mit diesem Wort lässt sich am besten  zusammenfassen, was ein Dory auszeichnet. Im 18. und 19. Jahrhundert  waren die Dorschfischer vor Neufundland auf großen Seglern unterwegs,  oft tagelang von der Küste entfernt. Für die Arbeit mit den Netzen  brauchten sie kleine, wendige Beiboote.</p>
<p>An Deck durften sie nicht viel Platz wegnehmen. Man  kam also auf die Idee, die Beiboote ineinander zu stapeln. Aus dieser  Notwendigkeit heraus wurde das Dory entwickelt. Es geht zwar auf andere  Bootsformen zurück, besitzt aber neue, einzigartige Details. Erst mit  der industriellen Revolution und der Möglichkeit, breite Planken aus den  Stämmen zu sägen, anstatt sie zu spalten, konnten diese umgesetzt  werden.</p>
<p>In seinem „Dory Book“ schreibt John Gardener, was  ein Dory auszeichnet: „Es hat einen Plattboden, zwei oder drei  Seitenplanken und keine Kielstruktur außer der Bodenplanke.“ Die Duchten  sind herausnehmbar, um die Boote stapeln zu können. Die  Multi-Knickspant-Bauweise erlaubte es, die Boote schnell und billig zu  bauen. Die Boote waren seegängig und wurden oft zu Segeldories  umgerüstet – mit Schwertkasten, aber nicht mehr stapelbar. Das Dory war  seiner Zeit weit voraus. Heute finden Segler sein Erbe in vielen Booten  wieder: In kleinen, schnellen Skiffs oder auch in den  Waarship-Konstruktionen.</p>
<p style="text-align: right;">
<p style="text-align: right;">Erschienen in segeln 1/2001.</p>
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		<title>Da bist Du platt</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jul 2008 19:00:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan</dc:creator>
				<category><![CDATA[Reise und Reportage]]></category>
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		<description><![CDATA[Vom Ostindienhandel bis zum Heringsfang – Hollands Vergangenheit ist von der See geprägt. Segelbegeisterte Besucher können der Landesgeschichte an Bord eines Plattbodenschiffs folgen. Den letzten Zug aus Amsterdam gerade noch erwischt – pechschwarze Nacht liegt über dem Stadthafen von Enkhuizen. Gleich, wenn man hinter dem Bahnsteig um die Ecke biegt, beginnt der Mastenwald. Ab und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vom Ostindienhandel bis zum Heringsfang – Hollands Vergangenheit  ist von der See geprägt. Segelbegeisterte Besucher können der  Landesgeschichte an Bord eines Plattbodenschiffs folgen.</strong></p>
<p>Den letzten Zug aus Amsterdam gerade noch erwischt –  pechschwarze Nacht liegt über dem Stadthafen von Enkhuizen. Gleich,  wenn man hinter dem Bahnsteig um die Ecke biegt, beginnt der Mastenwald.  Ab und zu knarrt hier und da ein Festmacher, ansonsten herrscht Stille.  Von dem Orkan, der nur ein paar Stunden zuvor über das Ruhrgebiet  gefegt war und der unsere Verspätung verursacht hat, ist hier nichts  mehr zu spüren.<span id="more-462"></span></p>
<p>Hinter dem Schutzdeich stehen holländische Bürgerhäuschen aus  Backstein, eine weiße Hubbrücke ist zu sehen. Fast erwartet man, das  Bollern von Holzschuhen auf dem Kopfsteinpflaster zu hören, aber kein  Mensch ist mehr unterwegs. Wie denn jetzt das Schiff finden? „De  Vriendschap“ – Freundschaft – heißt der Zweimastklipper. Nach einer  Weile tauchen ein großes V und ein großes R, dann ein I ganz weit  draußen im Päckchen an der Bordwand auf. Das muss es sein! Seesack an  Bord und noch ein Bier in der Plicht getrunken – morgen geht es los.</p>
<p><strong>All Hands!</strong></p>
<p>Gegen Mittag verlassen wir den Hafen und laufen  durch die Krabbergatsluizen ins Markermeer, den Südteil des IJsselmeers,  aus. All hands on deck, die riesigen Gaffelsegel zu setzen. Winschen?  Fehlanzeige! Und das, obwohl „De Vriendschap“ noch 1983 als Frachtsegler  auf dem IJsselmeer unterwegs war. Wirklich lebendige Tradition. Die 315  Quadratmeter machen das 28 Meter lange Schiff zu einem relativ  schnellen Segler. Relativ, wohlgemerkt. Das bemerken die Gäste, wenn er  dicht unter Land segelt. Skipper Sjef: „Auch unter vollen Segeln kann  die Oma auf dem Deich mit dem Fahrrad noch locker mithalten!“</p>
<p>Aber es geht nicht um Geschwindigkeit auf den Schiffen der „Bruine  Vlot“ – der Braunen Flotte, wie die Plattbodenschiffe hier überall  genannt werden. Es geht darum, meint Sjef, „so viel wie möglich zu  segeln und nur in den Häfen zu motoren“. Es geht auch um die  Seemannschaft, die groß geschrieben werden musste damals, als das  IJsselmeer noch Zuiderzee hieß und zur Nordsee hin offen war.  Tidenströme und Sandbänke waren tägliche Hindernisse, die Angst vor  einer Sturmflut ein unangenehmer Begleiter – für die Männer auf See wie  für die Familien an der Küste. Diese Tradition der Seemannschaft wollen  die Skipper und Maate rund um das IJsselmeer bewahren.</p>
<p><strong>Ostindien</strong></p>
<p>Am Nachmittag machen wir in dem alten  Handelsstädtchen Hoorn direkt unterhalb des charakteristischen Haupttors  fest. Auch hier ist die holländische Geschichte gegenwärtig. In der  Stadt finden wir immer wieder Häuser mit dem VOC im Giebel, der  Abkürzung der Vereinigten Ostindischen Gesellschaft. In der VOC  schlossen sich unter dem Konkurrenzdruck im Gewürzhandel sieben Städte  zusammen, die so für die Blüte Hollands sorgten. Heute haben sich die  Städte rund ums IJsselmeer im Tourismusverband „Der goldene Zirkel“  vereinigt, um den Gästen ihre Reize näher zu bringen.</p>
<p>Gleich neben dem Haupttor sitzen die drei „Schiffsjungen von  Bontekoe“ als Bronzeplastiken auf der Hafenmauer und zeugen von einem  historischen Unglück der VOC: Der Reeder Willem Bontekoe verlor 1619  zwei seiner Schiffe auf dem Weg zu den Gewürzinseln. Die Offiziere der  „Nieuw Hoorn“ hatten den kurzsichtigen Schiffsjungen Rolf beauftragt,  die tägliche Branntweinration aus dem Fass zu holen. Beim Schöpfen  leuchtete ihm eine Kerze, von deren Docht ein Teil in den Schnaps fiel.  Sofort fing dieser an zu brennen. Rolf ließ den Eimer fallen, und  schnell breitete sich der brennende Alkohol in der Bilge aus. Matrosen  begannen, das gebunkerte Schießpulver über Bord zu werfen, aber das  Feuer war schneller: Die „Nieuw Hoorn“ explodierte. Kurz darauf ging ein  zweites Schiff in einem Orkan unter, und die „Nieuw Holland“ musste  allein zurückkehren.</p>
<p>Trotz Katastrophen wie dieser war die Geschichte der VOC eine  Geschichte von Reichtum und Wohlstand für die Bürgerstädtchen am Rande  des IJsselmeeres, wie das Westfriesische Museum in Hoorn bezeugt.  Schulklassen und Jugendgruppen von anderen Plattbodenschiffen, die  inzwischen eingelaufen sind, sorgen dafür, dass Kneipen und Cafés  heutzutage florieren wie einst der Gewürzhandel. Doch im Hafen vor dem  Haupttor ist es ruhig genug, um seinen Gedanken nachhängen zu können.</p>
<p><strong>Vaart houden!</strong></p>
<p>Früh am nächsten Morgen setzen wir Kurs auf Edam.  Die Stadt liegt etwas landeinwärts an einem kleinen Kanal, in dessen  Schleusen die fast sechs Meter breite „De Vriendschap“ kaum zu passen  scheint. Hier steigen wir aufs Fahrrad um – eine Käserei in der Nähe  besuchen. Endlich wissen wir, was den Edamer zum Edamer macht: Für seine  Herstellung wird nur entrahmte Milch verwendet. Wir verlassen das  Anwesen mit einem duftenden Käse und dem kulinarischen Hinweis: „Dünne  Scheiben schmecken besser!“</p>
<p>In Volendam, nicht weit entfernt, warten Sjef und das Schiff auf uns.  Der Wind weht, die dunklen Wolken haben sich verzogen, und wir wollen  die letzten Stunden des Tages noch zum Segeln nutzen. Rasch sind die  Segel gesetzt – inzwischen weiß jeder, was er zu tun hat. Der Wind kommt  aus Südwest: Der Kurs nach Amsterdam wäre hoch am Wind. Das machen  Plattbodenschiffe nicht mit. Mehr als 60 Grad sind nicht drin, wenn wir  vorankommen wollen. Ohne Welle sind auch mal 50 Grad möglich, aber das  nur im Schneckentempo. Für uns gilt die alte Faustregel: Vaart houden,  nit knijpen! – Fahrt machen, nicht kneifen –, die schon die alten  Zuiderzee-Schipper sicher durch die Watten gebracht hat.</p>
<p>Deswegen wäre in Höhe der Festungsinsel Pampus der Holeschlag dran,  aber wir müssen aus Zeitgründen die Segel streichen. Durch die  Oranjesluizen motort „De Vriendschap“ nach Amsterdam. Der Liegeplatz für  Traditionsschiffe könnte kaum besser sein: Wir machen direkt unterhalb  des Hauptbahnhofs fest, nur der Zebrastreifen trennt uns vom Bahnsteig.  Am nächsten Morgen fliegt der Seesack auf den Kai, und die Gegenwart hat  uns wieder.</p>
<p><strong>Die Zuiderzee lebt!</strong></p>
<p>Nur ein paar hundert Meter Luftlinie von den  modernen Krabbergatsluizen entfernt scheint die Zeit für Jahrzehnte  stehen geblieben zu sein. Im Zuiderzee-Museum von Enkhuizen reichen ein  paar Stunden, um sich in das entbehrungsreiche Leben einer  Fischerfamilie vor der Eindeichung des IJsselmeeres 1932 zurückversetzen  zu lassen. Dichter weißer Rauch steigt durch den feuchten Lappen aus  dem Räucherofen – einer alten, rostigen Tonne. Es riecht nach  schwelendem frischem Holz. „Buchenholzscheite“, sagt der Fischräucherer.  Schmutzige braune Holzschuhe, schwarze Baumwollhose, blaues Hemd mit  weißen Streifen – so hätte er auch vor hundert Jahren aussehen können,  einem Städter sein Handwerk erklärend. Auf einem Holzbrett in der  angrenzenden Hütte liegen goldgelbe, noch warme Bücklinge. Frischer  Fisch für ein paar Gulden. Und es lohnt sich!</p>
<p>Unter freiem Himmel verarbeitet der Segelmacher seine Tuchbahnen. Die  fertigen Ungetüme werden in großen Bottichen mit Tannin braun gefärbt,  das macht die Segel haltbar gegen Salzwasser und Sonnenlicht. Sind keine  Segel zu bearbeiten, können die Fischer ihre Reusen in den stinkenden  braunen Sud hängen. Ein paar Meter weiter stehen wir auf der Reeperbahn,  parallel zur Gracht. Auf dem Kopfsteinpflaster hat der Reepschläger  seine Böcke aufgebaut und verkauft nagelneue geschlagene Springseile an  eine holländische Schulklasse, die zu Besuch im Museum ist. Die Skipper  holen die Fallen inzwischen anderswo, auch die Festmacher für ihre  Plattbodenschiffe kommen aus der Fabrik.</p>
<p style="text-align: right;">Erschienen in segeln 10/2000.</p>
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