Wirklich typisch Neukölln

Der Packpapierschleier wurde jetzt gelüftet: Die “Galerie El-Salam Style” bietet Inneneinrichtungen und Wohnaccessoires vom Zimmerspringbrunnen bis zum kompletten Schlafzimmer. Vorherrschende Farben: weiß und gold. Gegenüber Rudis Reste-Rampe ist das wohl ein Fortschritt, aber der El-Salam Style beißt sich etwas mit dem Cordsofa im Wohnzimmer. Werde eher kein Stammkunde werden. Hatte in der Mischung aus Migranten und Künstlervolk hier in der Ecke etwas Spannenderes erwartet. Da war doch neulich ein ganz interessanter Artikel über Kunst und Islam im art-Magazin. Bin wohl deswegen dem Wörtchen “Galerie” etwas auf den Leim gegangen. Aber das wird schon noch.

Typisch Neukölln

Endlich lüftet sich das Geheimnis, was aus dem alten Supermarkt an der Ecke wird. Das Gebäude scheint eine typisch Neuköllner Karriere hinzulegen. Anfangs war es noch ein Reichelt-Supermarkt, aber bald stieg der Laden in die zweite Liga ab und wurde zu einer Dependance von Rudis Reste-Rampe. Dort konnte das Geschäft sich jahrelang halten und wurde auch von mir hin und wieder durch den Kauf von Blumenerde unterstützt. Aber im letzten Krisenherbst ging auch bei Rudis Reste-Rampe das Licht aus. Wochenlang waren die Fenster jetzt mit Papier verhängt. Nach Weihnachten erstrahlte das Gebäude plötzlich in leuchtendem Orange. Wenige Tage später kamen bronzefarbene Mäander hinzu. Und seit heute hängen die provisorischen Ladenschilder: “Galerie El-Salam Style”. Bin schon schwer gespannt auf den El-Salam-Style, aber nach Rudis Reste-Rampe kann es eigentlich nur aufwärts gehen. Bloß die Blumenerde muss ich mir jetzt wohl woanders besorgen.

Touristen in Neukölln

Eben ist mir auf dem Wochenmarkt am Maybachufer eine Stadtführung von Statt Reisen über den Weg gelaufen. Ja, ich weiß, Statt Reisen ist ganz okay. Aber trotzdem: Touristen in Neukölln. Bitte. Und echte Touristen, keine Checker auf dem Weg zur neuesten Kaffeebude. Mit Kamera und Stadtführer. Eigentlich schön, dass sich jemand für Neukölln jenseits von Rütlischule und Kneipenszene interessiert. Aber ich fürchte, solche Stadtführungen ähneln eher Safaris. “Guck mal, Mutti, was für ein großes Kopftuch die Frau da hat!” “Papa, warum hat der Mann mit der Flasche so eine rote Nase?”

3:2 für Neukölln

Angesichts des ganzen Geredes vom Kampf der Kulturen bin ich froh, dass Sport manchmal tatsächlich verbindet. Wenigstens gestern in der Donaustraße. Anders als sonst bei den EM-Spielen war das Valentinstüberl völlig überfüllt. Der Inhaber der türkischen Kneipe direkt nebenan war dann so nett, die Unglücklichen, die keinen Platz gefunden hatten, zu sich einzuladen.
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48 Stunden ohne Neuköllner

Neben einigen interessanten Kunstprojekten haben die “48 Stunden Neukölln” 2008 vor allem eins gezeigt: Die viel beachtete kulturelle Entwicklung im Reuterkiez findet weitgehend ohne dessen Einwohner statt.
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