Unter Frauen

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Die Crew der Olsen 31 „Ohlala“ besteht ausschließlich aus Frauen. Vielleicht segelt sie gerade deswegen so erfolgreich im Ostsee-Cup mit

Normalerweise bleibt die Olsen 31 namens „Ohlala“ beim Segeln männerfrei. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Gäste sind hin und wieder erlaubt, so auch auf der Mittwochsregatta vor Heiligenhafen, wo das Boot seinen festen Liegeplatz hat. Ansonsten tingelt die Crew den Sommer über auf der Ostsee zwischen Fehmarn und Wismar von Regatta zu Regatta und mischt im Ostsee-Cup ganz vorne mit. Regelmäßig ersegelt die Frauencrew der „Ohlala“ in der Gesamtwertung den zweiten Platz.

„Anfangs wurden wir belächelt“, erinnert sich Steuerfrau Hanne Schäfer an die Anfangszeit vor gut 15 Jahren. Aber diese Überheblichkeit hat nicht lange angehalten. Bald musste die Konkurrenz einsehen, dass die „Ohlala“ gut mithalten konnte und die Frauen den anderen Crews in nichts nachstehen. Sie haben nämlich mindestens drei Erfolgsfaktoren auf ihrer Seite: Zum einen ist die 1983 gebaute Olsen 31 ein recht schnelles Schiff mit einem Yardstickfaktor von 103.

Der Entwurf geht auf eine bekannte dänische Designerfamilie zurück. In der Elterngeneration hatten sich die Zwillingsbrüder Knud Olsen mit der OK-Jolle sowie den Bandholm-Booten und Björn Olsen mit der Nimbus 26 und Nimbus 30 einen Namen gemacht. Die Olsen 31 war 1978 das erste Boot, mit dem Peter Björn Olsen, Sohn von Björn Olsen, in Serienproduktion ging, nachdem er die väterliche Werft in Stubbeköbing übernommen hatte. Sein Ziel: Ein Boot zum sportlichen Segeln.

Der zweite Grund für den Erfolg der „Ohlala“ ist wohl die lange seglerische Erfahrung der Frauen. Steuerfrau Hanne Schäfer beispielsweise hat mit zehn Jahren auf dem Piraten ihres Bruders angefangen und später lange Zeit mit ihrem Ehemann gesegelt. Sie hat alle Führerscheine des DSV und den Sporthochseeschifferschein, war als Skipperin mehrere Jahre auf Törns in der Ausbildung tätig und zudem mehrere Jahre als Prüferin des DSV für alle Segelscheine unterwegs.

Die Rolle der Pionierin kennt Hanne Schäfer. Als Erste Vorsitzende in ihrem Segelverein war sie die erste Frau in Schleswig-Holstein auf diesem Posten überhaupt. Neben Schäfer sind auch zwei weitere Crewmitglieder schon vor ihrer Zeit auf der „Ohlala“ Regatten gesegelt. Und schließlich sind noch zwei Profis mit an Bord, die in der Heiligenhafener Segelmacherei Oeverdiek und Heinritz arbeiten. So kommt einiges zusammen, was die Crew der „Ohlala“ an Erfahrung und Expertise zu bieten hat.

Dabei wurde die rein weibliche Crew eigentlich aus der Not geboren. Als Eignerin Katja Schmütsch sich vor gut 15 Jahren von ihrem Mann trennte, blieben ihr nur zwei Möglichkeiten: Entweder das Schiff zu verkaufen oder sich die Kosten mit anderen zu teilen. „Als Alleinerziehende hätte ich mir das Schiff nicht leisten können“, sagt Schmütsch. So teilen sich alle sechs bis heute die laufenden Kosten und die Winterarbeit, was dann auch hin und wieder ein richtig gutes neues Segel ermöglicht.

Die Frauen sind überzeugt davon, mit einer rein weiblichen Crew zu segeln. „Hier wird niemand zur Seite geschubst,“ meint Hanne Schäfer, „und man muss alles selber machen. Niemand nimmt einem Arbeit ab, weil er meint, es besser zu können.“ Laut werden kann es allerdings schon, wenn etwas nicht schnell genug geht. Denn die Crew nimmt das Regattasegeln Ernst. Die Kajüte liegt voller Segelsäcke und das Cockpit voller Fallen und Strecker. Aber man wird auch nicht durch Zufall zweiter beim Ostsee-Cup.

(Erschienen in segeln 2/2016)

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